Lotte. Die muffige Luft einer Sporthalle lieben sie eigentlich, die Herren der Fitnessgruppe des TuS Lotte, die gern Kampfsportgruppe (KSG 13) genannt wird. Jetzt haben sich ein paar wackere Sportler mal an die frische Luft getraut; eine tatkräftige TuS-Crew schipperte unlängst mit einem Plattenbodenschiff über das holländische Ijsselmeer. Damit setzt die Truppe eine Tradition aus den Jahren 1999 bis 2002 fort. Schon damals wagten sich wetterfeste Burschen auf die See hinaus.
Wir bringen Auszüge aus dem Logbuch 2010.
Erster Tag: Gegen Mittag fuhren wir, sieben KSK 13-Sportler, mit unserem Skipper Günther B. aus V. (Günther Bohnenkamp aus Velpe, Red.) gen Ijsselmeer. Bei
Nieselregen gegen 13.30 Uhr gestartet, bei Sonnenschein gegen 17.30 Uhr im Ort Gaastmeer am Ijsselmeer angekommen. Flugs wurden Klamotten und Lebensmittelvorräte verladen, das Schiff startklar gemacht, und schon ging es hinaus auf das Gaastmeer, ein Nebenmeer des Ijsselmeers.Als Auftaktübung wurde das Bergen eines über Bord gegangenen Leichtmatrosen geübt.
Dann ging es nach Workum durch Kanäle und kleine Meere. Dort folgte eine kurze Stadtbesichtigung mit einem leckeren Dinner in einem indonesischen Restaurant.
Anschließend erfolgte eine Abschlussbesprechung zum ersten Tag und die Planung des nächsten Tages in der Kajüte unseres Plattbodenschiffes, der „Westwind“.
Zweiter Tag: Nach einem kräftigen Frühstück ging es durch die Workumer Schleuse auf das Ijsselmeer bei sonnigem Wetter und kräftigem Wind der Stärke 5 bis 6. Mit aufgezogenem Vorsegel segelten wir ab ca. 10.30 Uhr bei Nordostwind mit guter Fahrt um die Landzunge von Stavoren, dann nach Südosten Richtung Lemmer.
Das Boot rollte anfangs mäßig bis stark durch die von Steuerbord auftreffenden Wellen und erforderte gute Standfestigkeit und Ausgleichsarbeit in den Beinen. Gegen 17 Uhr erreichten wir Lemmer, wo wir wieder durch die Schleuse fuhren und dann in einem Hafen
an einem anderen Plattbodenschiff festmachten.
Frische Luft und das Ausgleichen der Schiffsbewegungen hatten die Mannschaft hungrig gemacht. Beim Käptens-Dinner an Bord gab es Heißwürstchen mit Kartoffelsalat und gehaltvolle Getränke, um den Durst zu löschen. Nachdem sich einige frisch gemacht hatten, ging es durch die Stadt mit einem Zwischenstopp zum praktischen Studium der niederländischen Trink- und Esskultur. Danach erfolgte wieder an Bord der Ausklang mit Nachbesprechungen zum Tag und Planungen für den nächsten Tag.
Dritter Tag: Morgens gegen 8 Uhr war Lemmer in Nebel gehüllt, bei vollkommener Windstille herrschte eine Stimmung wie in einem englischen Krimi. Es gab wieder ein leckeres Frühstück vom ersten und zweiten Stewart. Dabei wurden wir Zeuge der Ausfahrt einer Flotte von ausgemusterten Seenotrettungsbooten verschiedener Größen und Typen durch die Schleuse von Lemmer auf das Ijsselmeer. Ohne Wind ging es im Nebel mit Motorkraft durch Kanäle Richtung Slooten, wo zur Ortsbesichtigung angelegt wurde. Slooten ist „Klein Rotenburg“ am Wasser mit einer durch Brückentore gesicherten Gracht als Hauptstraße und typisch niederländischen Bürgerhäusern verschiedener Größen und Baustile.
Nach einem kleinen Imbiss ging es weiter nach Woudsend. Als die Mannschaft sich gerade auf ein Anlegemanöver vorbereitet hatte, sagte der Skipper plötzlich „Ich glaube, wir haben die Schraube verloren.“ Und der Motor machte auch nur noch merkwürdige, nicht gerade gesunde Geräusche. Ohne lange weitere Erklärung machte Günter B. aus V. reaktionsschnell eine Anlegemöglichkeit aus, nahm kurz Maß, gab die erforderlichen Anweisungen an die Crew und steuerte das 13 Meter lange Boot mit dem Restschwung an den Kai an Backbord.
Einige Angler mussten zwar etwas überstürzt ihren Platz räumen, aber auch durch die koordinierte Mitarbeit der Mannschaft legte das Boot in der engen Parklücke (gut einen Meter Platz zu den Vor- oder Nachliegern) fast wie geplant an. Ein Blick in den Motorraum zeigte die Ursache des „Schraubenverlustes“: Die Welle der Schraube war aus der Verbindung zur Kupplung mit der Motorwelle herausgerutscht. Dieses Problem war durch den Sachverstand der Anwesenden nicht allein zu lösen. Darum erfolgte ein Anruf beim Charterer; dieser war zufällig auch in Woudsend und damit in fünf Minuten an Bord. Nach kurzer Lagebesichtigung holte er sich Werkzeug, und die Crew ging derweil ins Café.
Auf dem Rückweg stellte Günter B. aus V. fest, dass die zu durchfahrende Brücke zu schließen drohte, und gab Anweisung, sofort abzulegen. Von der Mannschaft fehlte allerdings der Schleifer (Eckhard Erfmann). Der sollte dann nach Durchfahrt durch die Brücke aufgenommen werden. Als das Boot schon bis auf die Bugleine frei war und sich in den Kanal zu bewegen begann, erschien Erfmann und traute seinen Augen nicht. Er setzte kurz zum Spurt an und gab dabei einen seiner bekannten Warnlaute von sich. Mit einem kühnen Sprung enterte er dann das Boot, bevor die letzte Leine endgültig losgemacht wurde. Es bedurfte einiger Erklärungen, um Erfmanns Annahme auszuräumen, dass er vergessen worden sei.
Danach ging es weiter über spiegelglatte Kanäle und Meere zurück nach Gaastmeer. Ankunft gegen 16 Uhr. Dort hieß es „Klarschiff machen“ und Rückfahrt nach Lotte.
Die Mannschaft: Günther Bohnenkamp (Skipper), Eckhard Erfmann (Schleifer), Günter Fischer (Logbuch-Autor), Karl-Heinz Hagedorn, Werner Hagedorn, Heyko Hollander, Stephan Schwert und Uwe Märsch





