Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
Tecklenburger Land (Archiv) 17.05.2006
Hier bin ich Mann, hier darf ich schrei'n
Von Thomas Niemeyer
LOTTE.
Herbe Düfte vereinen sich in der Umkleide der Alt-Lotter Turnhalle: Männerschweiß und das Spray frisch entkorkter Pilsflaschen. Das ist die Atmosphäre, in der das Kind im Manne ungehemmt zum Ausbruch kommen darf. Beim Männersport des TuS geht es zwar richtig zur Sache, aber immer lustig.
Wie in der Werbung (von links): Heyko
Hollander, Uwe Märsch, Stephan Schwert,
Trähner Frank Volz, Werner Hagedorn und
Herbert Buten hatten auch in der Dusche
ihren bewegungsfreudigen Spaß beim
Kronkorken-Zielwurf.
Foto: Thomas Niemeyer
Nach üppiger Aufwärmrunde im Lauf- oder Walkschritt draußen wird es in der Halle ernst. "Trähner" Frank Volz zieht für ein abwechslungsreiches Gymnastikprogramm alle Register: Bälle aller verfügbaren Größen kommen zum Einsatz, Holzstangen und Matten. Systematisch lockert er alle Muskelgruppen bei den 13 Aktiven an diesem Montagabend auf.
"Jetzt noch 'ne schöne", kündigt er den Höhepunkt der schweißtreibenden Übungen an. "Oha", schwant "Bierwart" Bernhard Nikolay Unbill. Rücklings legen sich die Männer auf ihre Matten, heben Kopf und Schultern an, ziehen die Knie Richtung Bauch und halten die Holzstangen locker über den Knien. So verharren sie.
"Und?", fragt einer den Trähner provokant. "Kommt gleich!", erwidert der gelassen. "Jetzt langsam die Beine ausstrecken und in der Luft halten." Leises Stöhnen: "Ich glaube, es kommt." Trähner: "Jetzt die Beine langsam auseinander." Das Stöhnen wird lauter: "Es kommt ganz dolle." Trähner: "Und jetzt den Stock mit den Armen nach vorne strecken und die Beine langsam kreuzen." Schreie vor Schmerz und Lachen: "Es kommt von allen Seiten."
Frank Volz leitet die fidele Truppe seit 1989, obwohl er vor vier Jahren aus beruflichen Gründen nach Laer bei Münster umsiedelte. Einen Trainerschein hat er nie gemacht, holt sich Anregungen aus Zeitschriften und von Krankenkassen. Es funktioniert. Die Truppe gibt ihr Durchschnittsalter mit Anfang 40 an - das aber seit zehn Jahren. Volz selbst ist 53, geht aber locker für 43 durch. Fällt er mal aus, übernimmt Eckhard Erfmann das Training, was ihm den Beinamen "Schleifer" einbrachte.
Nach dem abschließenden Hallenkick und laut fröhlichem Duschen rottet sich der Haufen in der Umkleide zusammen, wo kleine Metallschilder die Stammplätze der drei "Funktionsträger" markieren. Bierwart Nikolay hat heute ein Problem: Das Bier fehlt - erstmals seit Männergedenken.
Ungeduscht sorgt er rasch für Ersatz. Dann trifft doch noch "Schleusen-Günter" - TuS-Vorstandsmitglied Dr. Günter Fischer - ein, der dran war mit der Kiste, aber Sitzung hatte. Eine Strafkiste beim nächsten Mal reguliert den Schaden.
Warum "Schleusen-Günter"? "Das war bei einem Segeltörn auf dem Ijsselmeer. Da stand Günter in einer Schleuse so geschickt, dass er unfreiwillig den Spagat zwischen Schleuse und Boot übte, was im Wasser endete", erklärt der Schleifer und fügt an: "Wenn er lieb ist, sagen wir auch Schleusi zu ihm."
So blüht der Flachs weiter in der Umkleide. Das perlende Pils unterstützt das gesunde Nachschwitzen. Sichtlich genießen die TuSler das Beisammensein in der Männerrunde. Sie freuen sich auf die Radtour nächste Woche und den Muskelkater am nächsten Morgen.
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