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Goethes Anregung

Jeder weiß, dass das Bogenschießen schon eine Jahrtausende zählende Tradition hat. Selbst in alten Höhlenzeichnungen findet man entsprechende Darstellungen. Manch einer kennt in heutiger Zeit das Bogenschießen auch als eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die in Reha-Kliniken u.a. bei Rückenbeschwerden durchgeführt wird.

Nicht so bekannt ist es, dass selbst Johann Wolfgang von Goethe sich für diesen Sport begeisterte. In seinen bekannten Gesprächen mit Eckermann findet man folgendes:

Image„Das Schöne beim Bogenschießen ist," erwiderte ich, „dass es den ganzen Körper gleichmäßig entwickelt und die Kräfte gleichmäßig in Anspruch nimmt. Da ist der linke Arm, der den Bogen hinaushält, straff, stark, und ohne Wanken; da ist der rechte , der mit dem Pfeil die Sehne zieht und nicht weniger kräftig sein muss. Zugleich beide Füße und Schenkel strack zum Boden gestreckt, dem Oberkörper als feste Basis. Das zielende Auge, die Muskeln des Halses und Nacken, alles in hoher Spannung und Tätigkeit. Und nun das Gefühl und die Freude, wenn der Pfeil hinauszischt und im erwünschten Ziele steckt. Ich kenne keine körperliche Übung, die nur irgend damit zu vergleichen."

„Es wäre etwas für unsere Turnanstalten" versetzte Goethe. „Und da sollte es mich nicht wundern, wenn wir nach zwanzig Jahren in Deutschland tüchtige Bogenschützen zu Tausenden hätten. Überhaupt mit einer erwachsenen Generation ist nie viel zu machen, in körperlichen wie in geistigen Dingen, in Dingen des Geschmacks wie des Charakters. Seid aber klug und fanget in den Schulen an, und es wird gehen."  - „Aber auch deutsche Turnlehrer", erwiderte ich, „wissen mit Pfeil und Bogen nicht umzugehen."  - „Nun", antwortete Goethe, „da mögen sich einige Turnanstalten vereinigen und einen tüchtigen Schützen aus Flandern oder Brabant kommen lassen. Oder sie mögen auch einige hübsche, wohlgewachsene junge Turner nach Brabant schicken, dass sie sich dort zu guten Schützen ausbilden und auch lernen, wie man die Bogen schnitze und die Pfeile mache. Diese könnten dann in deutschen Turnanstalten als Lehrer eintreten, als wandernde Lehrer, die sich bald an dieser Anstalt eine zeitlang aufhielten und bald an einer anderen."

Nun, der TuS Lotte nennt sich jetzt nicht Turnanstalt, sondern Sportverein, und Experten aus Flandern werden wir auch nicht einfliegen lassen, dafür haben wir ja unseren Erwin Bauch - aber wir nehmen Goethes Anregung gerne auf und hoffen auf rege Beteiligung.